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22.02.2012 Gerade nochmal gut gegangen - Tom bekommt eine Prothese

Erinnert ihr euch an den Erfahrungsbericht von Melissa? Melissa hat uns von ihrer Cousine Jenny geschrieben, wie es zur Amputation kam und wie sie als ihre Cousine die Situation verarbeitet hat.

Bei einem Nachkontrolltermin in der Klinik hat Jennys Familie Tom und seine Eltern kennengelernt. Tom ist 5 Jahre und hat eine ähnliche Grunderkrankung wie Jenny (wenn auch aus medizinischer Sicht mit einigen Unterschieden, die hier für uns aber nicht wichtig sind). Aber auch bei Tom machte eine angeborene Fehlbildung des Beines große Probleme. Er musste immer wieder einen externen Fixateur tragen, wurde operiert, wurde mit Orthesen versorgt. Tom ist aber ein Junge, der einen unglaublichen Bewegungsdrang hat: Er tobt, möchte rennen, klettern, springen. Ihr könnt euch vorstellen, dass das mit einem riesigen Gestell am Bein, das durch den Knochen geht, sehr, sehr schwierig ist. Während Tom vor Kraft übersprudelte, waren seine Eltern langsam am Ende ihrer Kraft. Immer und immer wieder mussten sie Tom bitten, vorsichtig zu sein, auf sein Bein aufzupassen. Das gefiel Tom gar nicht. Oft wurde er wütend und wusste gar nicht recht, wohin mit all seiner Energie, die andere Jungs in seinem Alter durch wildes Spielen ausleben konnten. So suchten sie Rat bei dem Arzt, der auch Jenny operiert hatte. Die kleine Jenny hat seit zwei Monaten eine Prothese und lernt damit nun richtig gut umzugehen. Das hat nicht nur Tom, sondern auch seine Eltern sehr beeindruckt: ein zweijähriges Mädchen, das vier Monate nach der Amputation mit einer Prothese geht - fast ohne dass man es sieht! Was ursprünglich Angst und Schrecken ausgelöst hatte, wurde nun zumindest zu einem Thema, über das man sprechen wollte. So kam der Kontakt mit den AmpuKids und mir zustande. Wir haben gemeinsame Gespräche mit Ärzten geführt, uns wiederholt mit Jenny und ihrer Familie getroffen. Nach intensiver Abklärung durch ganz verschiedene ärztliche Fachdisziplinen, entschieden sich die Eltern von Tom zu einer Amputation des nicht ausgebildeten Fußes, so dass eine prothetische Versorgung möglich ist. Da bei Tom die anatomischen Gegebenheiten komplizierter waren als bei Jenny, wurde noch eine Neurochirurgin aus einer anderen Stadt hinzugezogen, die sich auf die Kinderneurologie spezialisiert hat.

So stand bald ein Termin für den Eingriff fest. Dann geschah aber an einem Samstag ein tragischer Unfall. Tom brach sich beim Spielen das betreffende Bein und es entstand ein offener Bruch, der die versorgende Arterie sozusagen aufspießte. Ich dachte: „Dann nehmen wir mal das Handy und versuchen das Unmögliche!“ Mit vereinten Kräften gelang es dem Kinderorthopäden und mir, das gesamte OP-Team aus Wochenendausflügen, wirklich wohlverdienten freien Stunden zusammenzutrommeln, so dass die Operation bereits außerplanmäßig am späten Nachmittag erfolgen konnte. Die Neurochirurgin „verpasste“ damit leider den 18. Geburtstag ihrer Tochter. „Das ist so, wenn man sich entscheidet, Ärztin zu werden!“, sagte sie. Mehr noch: Der leitende Orthopäde, der ursprünglich mit im Operationsteam dabei sein sollte, befand sich auf einem Kongress in Rom. Eine große Herausforderung für den kurz vor dem Abschluss stehenden, vertretenden Arzt am Ende seiner Fachausbildung. Per Handyverbindung in den OP erhielt er Anweisungen von seinem Chef aus Italien.

Was wie ein Krimi begann, findet nun in den nächsten Monaten hoffentlich ein gutes Ende. Tom ist wieder zu Hause und wird demnächst seine erste Prothese erhalten. Leider musste aufgrund des Knochenbruches die Amputation etwas höher ausfallen und die Wundverhältnisse sind etwas schwieriger als damals bei Jenny. Aber Tom tobt schon wieder durch die Gegend. Und ich hoffe sehr, dass er das bald ganz unbeschwert und ohne Ermahnungen seiner Eltern machen kann.


Alles Gute, lieber Tom von den AmpuKids und Andrea


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